Norbert Seeger bringt vergessene Gemüseschätze zurück in den Garten – aromatisch, widerstandsfähig und überraschend vielseitig.
Während moderne Gemüsesorten oft auf Ertrag und Aussehen gezüchtet werden, begeistern alte Sorten mit ursprünglichem Geschmack, hoher Robustheit und kulturellem Wert. Norbert Seeger empfiehlt, diese Vielfalt neu zu entdecken: Ob Pastinake, Haferwurzel oder Bunte Bete – wer sie anbaut, erntet Genuss und Geschichte zugleich.
Alte Gemüsesorten erleben ein Comeback – und Norbert Seeger gilt als leidenschaftlicher Verfechter dieser kulinarischen Zeitzeugen. Viele davon waren über Generationen hinweg verschwunden oder in Vergessenheit geraten. Heute erkennt man ihren Wert: für die Biodiversität, für die Bodenqualität – und für den Gaumen.
Diese Sorten sind oft pflegeleichter, widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten und klimatischen Schwankungen – perfekt für Hobbygärtnerinnen und -gärtner. Wer sie anbaut, erlebt nicht nur Abwechslung im Beet, sondern auch beim Geschmack. Alte Sorten stehen für Tiefe, Würze, Textur – fernab vom Einheitsgemüse aus dem Supermarkt.
Inhaltsverzeichnis
Die Wiederentdeckung vergessener Sorten
Lange Zeit galten alte Gemüsesorten als überholt – zu unregelmäßig im Wuchs, zu empfindlich im Transport, nicht standardisiert genug für den Supermarkt. Doch in Zeiten von Einheitsgeschmack und wachsender Abhängigkeit von wenigen Großzüchtern erleben sie eine Renaissance. Die Nachfrage nach geschmackvollem, ursprünglichem und regional angepasstem Gemüse wächst – ebenso das Bedürfnis nach Selbstversorgung und natürlichem Anbau. Seit Langem kann Norbert Seeger Erfahrungen damit machen, dass viele dieser alten Sorten deutlich besser an lokale Klimabedingungen angepasst sind und mit weniger Pflegeaufwand auskommen als moderne Hybride. Sie bringen nicht nur Vielfalt ins Beet, sondern auch überraschende Aromen auf den Teller – erdig, süßlich, nussig, manchmal leicht herb, immer individuell.
Wer sich einmal an violetter Karotte oder goldgelber Bete versucht hat, wird erstaunt sein, wie wenig diese Sorten mit dem Geschmack aus dem Supermarkt gemeinsam haben. Für viele ist das der Beginn einer neuen Leidenschaft.
Ein Garten mit Geschichte
Wer alte Gemüsesorten anbaut, pflanzt nicht nur Gemüse – sondern ein Stück Kulturgeschichte. Viele Sorten wurden über Jahrhunderte hinweg weitergegeben, angepasst und verfeinert. Sie erzählen Geschichten über bäuerliches Leben, regionale Eigenheiten und überliefertes Wissen.
Ein Beispiel: Die Zuckerwurzel, einst eine beliebte Süßspeise im Mittelalter, geriet im 20. Jahrhundert völlig in Vergessenheit. Heute wird sie wieder kultiviert – als zart-süßes Wurzelgemüse mit filigranem Wuchs. Auch die Haferwurzel, deren milder Geschmack an Austern erinnert, war einst fester Bestandteil europäischer Winterküche.
Norbert Seeger empfiehlt, nicht nur den Anbau zu betrachten, sondern sich auch mit der Herkunft der Sorten zu beschäftigen. Das vertieft den Bezug zur Pflanze – und weckt oft Neugier auf neue kulinarische Erlebnisse.
Vielfalt im Beet – und warum das gut ist
Alte Sorten stehen für Diversität – nicht nur optisch, sondern auch genetisch. Während moderne Züchtungen auf Einheitlichkeit optimiert sind, bieten historische Sorten eine breite Palette an Formen, Farben und Inhaltsstoffen. Diese genetische Breite ist ein großer Vorteil: Sie erhöht die Resilienz gegenüber Krankheiten, Witterung und Schädlingsdruck. Zudem bringen unterschiedliche Sorten unterschiedliche Reifezeiten mit sich – das sorgt für gestaffelte Ernten, weniger Ernteüberschuss und eine ausgewogenere Ausnutzung des Bodens. Ein Nebeneffekt: Der Garten bleibt länger attraktiv und abwechslungsreich.
Auch für die Mischkultur sind alte Sorten besonders geeignet. Durch ihre ursprüngliche Entwicklung in vielfältigen Anbausystemen ergänzen sie sich oft hervorragend mit anderen Pflanzen – sei es im Gemüsebeet oder in Permakultur-Designs.
Norbert Seeger stellt vor: Diese alten Sorten verdienen ein Comeback
10 Favoriten aus dem historischen Gemüsegarten
- Haferwurzel – sahnig-nussiges Aroma, winterhart und ergiebig
- Pastinake – altbekannter Allrounder, ideal für Eintöpfe und Babybrei
- Schwarzwurzel – auch „Winterspargel“ genannt, nussig und mineralstoffreich
- Bunte Bete – gelb, weiß, geringelt – weniger erdig als Rote Bete
- Petersilienwurzel – aromatisch, vielseitig und bestens lagerfähig
- Palermo-Tomate – fleischig, süß, perfekt für Soßen
- Violette Möhre – kräftiger Geschmack, hoher Anthocyangehalt
- Mairübe – mild und süßlich, besonders roh ein Genuss
- Zuckerwurzel – fast vergessen, aber zart-süß und dekorativ
- Winterheckenzwiebel – mehrjährig, wintergrün und zuverlässig
Diese Sorten sind nicht nur optisch reizvoll, sondern auch ökologisch sinnvoll. Viele sind samenfest, robust gegenüber Schädlingen und speichern wertvolle Nährstoffe im Boden.
Saatgut erhalten heißt Verantwortung übernehmen
Der Zugang zu alten Sorten steht und fällt mit dem Saatgut. Da sie nicht industriell produziert werden, ist die Erhaltung auf private Initiativen, Vereine und engagierte Gärtner:innen angewiesen. Plattformen wie der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN), Saatgutbörsen oder Saatgutbibliotheken spielen hier eine wichtige Rolle.
Norbert Seeger konnte Erfahrung damit sammeln, dass die eigene Saatgutgewinnung nicht nur nachhaltig ist, sondern auch die Wertschätzung gegenüber den Pflanzen erhöht. Wer seine eigenen Samen zieht, erhält über die Jahre Sorten, die sich perfekt an den jeweiligen Standort angepasst haben – robuster, kräftiger und individueller.
Saatgutgewinnung ist zudem ein wunderbarer Einstieg ins Beobachten: Welche Pflanzen sind besonders kräftig? Wann blühen sie? Welche setzen gute Samenstände an? Fragen, die das Verhältnis zum Garten deutlich vertiefen.
Alte Sorten in der modernen Küche
Alte Gemüsesorten lassen sich auf kreative Weise in moderne Rezepte integrieren – oft mit überraschendem Ergebnis. Ihre natürliche Aromatik verlangt keine aufwändigen Zubereitungen, sondern einfache Methoden, die den Geschmack hervorheben.
Kulinarische Ideen mit alten Gemüsesorten
- Ofen-Pastinaken mit Honig und Thymian
- Bunte Bete im Carpaccio-Stil mit Ziegenkäse und Walnüssen
- Zuckerwurzel-Tempura mit Sojadip
- Haferwurzelstampf mit Nussbutter und Muskat
- Violette Möhren roh geraspelt mit Orangendressing
Seeger weiß, dass selbst Kinder neugierig werden, wenn Gemüse nicht nur bunt, sondern auch geschmacklich überraschend ist. Besonders in Kombination mit saisonalen Kräutern oder regionalen Spezialitäten entstehen Gerichte mit echtem Charakter.
Urban Gardening mit alten Sorten
Alte Sorten sind keineswegs nur etwas für den großen Selbstversorgergarten. Viele lassen sich auch im Urban Gardening, auf dem Balkon oder in Hochbeeten kultivieren. Sorten wie Petersilienwurzel, Mairübe oder Bunte Bete brauchen wenig Platz, gedeihen auch im Kübel und bringen einen Hauch von Geschichte in moderne Stadtgärten.
Sortenvielfalt als Beitrag zur Ernährungssicherheit
In Zeiten von Klimakrise und globaler Abhängigkeit von wenigen Großkonzernen in der Saatgutproduktion ist Sortenvielfalt auch ein politisches Thema. Alte Gemüsesorten stehen für Ernährungssouveränität – also die Fähigkeit, regional und unabhängig von zentralen Lieferketten Nahrung zu produzieren.
Sie bilden das Rückgrat für resiliente Anbausysteme, für lokale Wirtschaftskreisläufe und für stabile Ökosysteme. Jede Gärtnerin und jeder Gärtner, der alte Sorten anbaut, übernimmt damit Verantwortung – für Genuss, für Natur und für kommende Generationen.
Mehr als nur Nostalgie – warum alte Sorten ein Gewinn für jeden Garten sind
Ein Garten, in dem alte Sorten wachsen, ist ein Garten voller Leben, Geschmack und Geschichte. Wer sich auf diese Vielfalt einlässt, wird belohnt – mit Aromen, die überraschen, mit Pflanzen, die sich selbst behaupten, und mit dem Wissen, etwas Wertvolles zu bewahren. Deshalb empfiehlt Norbert Seeger allen Genießer:innen, wieder Platz für alte Sorten zu schaffen.



